Afghanische Ortskräfte: „Der Tod dieser Menschen wird in Kauf genommen“

Ein Jahr nach dem „fluchtartigen Rückzug der NATO-Armeen“ und der Machtübernahme der Taliban haben hunderte Menschen in Berlin für eine Aufnahme afghanischer Ortskräfte in Deutschland demonstriert. Deren Aufnahme laufe weiter viel zu zögerlich, erklärte das Bündnis Seebrücke bei der Demonstration im Regierungsviertel. Damit werde der Tod der Menschen in Kauf genommen, die als ehemalige Ortskräfte deutscher Institutionen weiterhin in Afghanistan bleiben mussten.

„Die Bundesregierung soll endlich ihr Versprechen umsetzen“, forderte das Seebrücke-Bündnis. Erforderlich seien ein dauerhaftes Bleiberecht für alle Afghaninnen und Afghanen in Deutschland und umgehende Evakuierungen vor Ort. Gefährdete Menschen müssten jetzt aufgenommen werden.

„Das größte Problem sind die besonders bedrohten Menschen“

„Wir lassen sie nicht zurück“, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) der Wochenzeitung „Bild am Sonntag“. Sie arbeite mit Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am neuen Bundesaufnahmeprogramm für afghanische Ortskräfte. Faeser räumte aber ein: „Das größte Problem ist, besonders bedrohte Menschen aus Afghanistan rauszubekommen.“

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Auf Einladung der Evangelischen Akademie fand in Berlin ein erster Kongress „Afghanische Ortskräfte“ statt. haben sich Abgeordnete der Ampel-Koalition in Berlin für Erleichterungen im Umgang mit Familien afghanischer Ortskräfte der Bundeswehr ausgesprochen. Bislang dürfen nur Mitglieder der unmittelbaren Kernfamilie mit nach Deutschland umziehen.

„Millionen Afghanen verlieren die Hoffnung“

Mittlerweile sind nach offiziellen Angaben 15.759 afghanische Ortskräfte und Familienangehörige nach Deutschland gebracht worden. Das sind etwa zwei Drittel der rund 23.000 Menschen, denen die Bundesregierung eine Aufnahme zugesichert hatte.

Der von den Taliban gestürzte Präsident Afghanistans, Ashraf Ghani, sagte der „Bild am Sonntag“, er rechne mit vielen Flüchtlingen aus seiner Heimat in den kommenden Monaten. „Millionen werden versuchen, aus Afghanistan zu flüchten“, sagte er in seinem Exil in Abu Dhabi. „Der Grund dafür ist, dass die Menschen das Gefühl der Zugehörigkeit verlieren. Sie verlieren die Hoffnung.“

rb/ack (AFP, epd, KNA, Reuters)