Europride trotzt Belgrads Behörden

In der serbischen Hauptstadt Belgrad haben rund 1000 Menschen für die Rechte von Homosexuellen, Lesben und anderen Angehörigen der LGBTQ-Community demonstriert. Die Polizei schuf für die Europride-Parade einen abgesicherten Korridor entlang der Marschroute. Damit wollte sie Rechtsextreme und ultraklerikale Gegendemonstranten auf Distanz halten, die in der Unterzahl waren. Aus deren Reihen warfen Teilnehmer Steine und Bengalos auf die Polizisten. Nach Angaben von Regierungschefin Ana Brnabic wurden mindestens zehn Beamte verletzt; mehr als 60 Demonstranten wurden festgenommen.

Ursprünglich hätte die Parade durch die halbe Innenstadt führen sollen, doch anders als in vergangenen Jahren hatte das Innenministerium dies untersagt. Das serbische Verwaltungsgericht wies eine Beschwerde der Veranstalter hiergegen ab. Die Staatsanwaltschaft drohte den Teilnehmern einer potenziell „illegalen Demonstration“ mit drakonischen Geldstrafen.

„Belgrads Straßen sind sicher“

Die Behörde habe bis zum Beginn der Kundgebung nicht auf eine Ankündigung reagiert, die Streckenführung deutlich zu verkürzen, teilten die Veranstalter mit. Jedoch habe die offen lesbisch lebende Ministerpräsidentin Brnabic garantiert, die Straßen von Belgrad würden diesem Samstagnachmittag sicher sein. Das Innenministerium hatte seine Verfügung gegen die Parade mit Sicherheitsbedenken wegen befürchteter gewaltsamer Gegendemonstrationen begründet.

Polizisten mit Helm und Schutzschild bilden einen Kordon

Die Polizei schirmte die Pride-Parade von Gegendemonstranten ab

Präsident Aleksandar Vucic verlangte Ende August die Absage oder eine Verschiebung der Parade. Der rechtsnationalistische Politiker orientiert sich seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine stärker an Russland und sucht die Nähe zur ultrakonservativen und prorussischen serbisch-orthodoxen Kirche. Rechtsextremisten und klerikale Kreise hatten bereits in den vergangenen Wochen sogenannte Prozessionen als Protest gegen die Pride organisiert.

Seit 2014 waren in Belgrad mehrere Pride-Paraden ohne Zwischenfälle verlaufen. Vor drei Jahren hatten die Organisatoren der Europride für 2022 die Hauptstadt Serbiens als erste südosteuropäische Stadt ausgewählt.

Die englische Abkürzung LGBTQ steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans-Menschen, queere sowie intergeschlechtliche Menschen.

jj/qu (dpa, rtr, ap)