Iranischer Filmstar festgenommen

Im Iran ist die international bekannte Schauspielerin Taraneh Alidoosti festgenommen worden. Der 38-Jährigen wird vorgeworfen, „falsche und verzerrte“ Informationen verbreitet und „konterrevolutionäre Kreise“ unterstützt zu haben, wie die Nachrichtenagentur Tasnim berichtet. Auf derartige Vergehen steht in der Islamischen Republik meist eine langjährige Haftstrafe.

Alidoosti hatte sich in Onlinenetzwerken wiederholt mit der Protestbewegung solidarisiert, die durch den Tod der Kurdin Jina Mahsa Amini ausgelöst worden war. Die junge Frau war im September nach einer Festnahme durch die Sittenpolizei – wegen angeblicher Missachtung der Kopftuchregeln – gestorben.

„Eine Schande für die Menschheit“

Zudem hatte die Schauspielerin die Hinrichtung des Demonstranten Mohsen Schekari angeprangert. „Jede internationale Organisation, die diesem Blutbad zuschaut und nicht reagiert, ist eine Schande für die Menschheit“, schrieb sie auf Instagram zu der Hinrichtung.

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„Frauen, Leben, Freiheit“: Taraneh Alidoosti solidarisierte sich im November ohne Kopftuch mit den Protesten

Alidoosti zählt zu den bestbezahlten und international erfolgreichsten Künstlerinnen des Landes. Sie hat in mehreren Filmen des renommierten iranischen Regisseurs Asghar Farhadi mitgewirkt – darunter in „The Salesman“, der 2017 mit dem Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film ausgezeichnet wurde. Auch spielt sie in Saeed Roustayis Drama „Leila und ihre Brüder“ die Titelrolle. Das Werk wurde im Mai beim Filmfestival in Cannes vorgeführt, durfte im Iran jedoch nicht gezeigt werden.

Regisseure hinter Gittern

Bereits vor Beginn der aktuellen Protestwelle waren in diesem Jahr mehrere prominente Vertreter der iranischen Filmbranche festgenommen worden, darunter die international preisgekrönten Regisseure Mohammed Rasulof und Jafar Panahi, die sich weiterhin hinter Gittern befinden.

Bei den andauernden Protesten wurden nach iranischen Angaben mehr als 200 Menschen getötet. Internationale Menschenrechtsorganisationen gehen von mehr als 450 Toten aus. Tausende Menschen wurden festgenommen. Die Demonstrationen richten sich unter anderem gegen die rigorosen Bekleidungsvorschriften für Frauen. Vielfach werden aber auch ein Rücktritt der Führungsriege und grundlegende Änderungen des politischen Systems verlangt.

jj/uh (dpa, afp)