Lionel Messi rettet WM-Traum Argentiniens

Wenn große Mannschaften am Ende auch schwache Spiele gewinnen und große Spieler auch mal eine ganze Partie unsichtbar sein können, um dann doch ein wichtiges Tor zu machen, dann ist Lionel Messi ein Großer und Argentinien ein großes Team. Allerdings kann auch der 2:0-Erfolg im zweiten Gruppenspiel der Fußball-WM gegen Mexiko nicht übertünchen, dass die Argentinier insgesamt eine schwache Partie gezeigt haben.

Entsprechend groß war die Erleichterung Messis nach seinem Tor zum 1:0 und nach dem Spiel. „Gott sei Dank“, sagte der Ausnahmespieler im Siegerinterview: „Wir wussten, dass wir stark sein mussten, das war ein sehr schwieriges Spiel.“

Wie stark ist Argentinien wirklich?

Schwierig ist es nach dieser Leistung auch, die wahre Stärke der Argentinier realistisch einzuschätzen. Die „Albiceleste“ waren vor der WM als einer der heißesten Anwärter auf den WM-Titel gehandelt worden, weil sie mit einer beeindruckenden Serie von zuvor 36 Spielen ohne Niederlage zur WM anreisten. Dann folgte die Auftakt-Pleite gegen Saudi-Arabien, nach der in Argentinien (fast) alles infrage gestellt wurde. Das Horror-Szenario des frühen Scheiterns bei der WM wurde bereits an die Wand gemalt.

„Messi sei Dank“, dachten sich daher wohl die argentinischen Fans, die ihre Nummer 10 schon während des Spiels und auch danach mit ohrenbetäubenden Gesängen feierten. 

Jubelnde argentinische Fans

Mexiko geschlagen! Argentiniens Fans sind nach dem Rückschlag gegen Saudi-Arabien wieder in WM-Stimmung

„Nach dem Tor sind wir wirklich ins Spiel gekommen und haben die Euphorie der Fans gespürt. Das hat uns bis zum Ende getragen“, sagte Messi und gab zu: „Wir waren etwas nervös und zurückhaltend wegen der ersten Partie. Außerdem sind viele Jungs dabei, die zum ersten Mal eine Weltmeisterschaft spielen. Das alles spielt eine Rolle. Aber wir haben es geschafft und das ist die Hauptsache.“

Nicht mehr der Messi früherer Jahre

Doch wie lange geht die Taktik der Argentinier noch gut, die vor allem darin besteht, dass Messi es am Ende schon richten wird? Die Partie gegen zwar giftige aber bei Weitem nicht überragende Mexikaner zeigte, dass der Lionel Messi von 2022 nicht mehr der Messi früherer Jahre ist. Während er früher den gesamten Platz beherrschte, mit Leichtigkeit mehrere Gegner aussteigen ließ, mit kurzen schnellen Sprints in die freien Räume startete, oder mit einem Doppelpass die gesamte Abwehr aushebelte, tat er sich diesmal schwer. Längst nicht jedes Laufduell gewann der mittlerweile 35-Jährige. Oft blieb er beim Dribbling hängen, nicht alle seine Bälle fanden den Mitspieler.

Lionel Messi fällt gegen Mexiko bei einem Zweikampf zu Boden

Nicht mehr unbezwingbar: Mehr als einmal lief sich Messi (l.) in der „grünen Wand“ der Mexikaner fest

Und auch bei seinem Treffer, den der argentinische TV-Moderator als „Traumtor“ bejubelte, hatte Messi Glück: Während sein direkter Gegenspieler noch ein paar Schritte weiterlief, blieb Messi außerhalb des Strafraums einfach stehen, statt den Weg nach vorne zu machen. Doch dieses „Parken“ vor Mexikos Sechzehner brachte Messi Augenblicke später den Raum, den er für seinen platzierten Abschluss brauchte. Der Ball saß, Argentinien gewann und bleibt damit im Rennen um den WM-Titel, dem erklärten Ziel Messis.

Messi: „Werden gegen Polen liefern“

Gänzlich aufatmen dürfen Lionel Messi und Co. aber noch nicht: Am letzten Spieltag der Gruppe C gibt es am Mittwoch ein „Endspiel“ gegen das polnische Team um Torjäger Robert Lewandowski. Dann müssen noch einmal Punkte her, um sicher das Achtelfinale zu erreichen. 

Messi machte sich und allen, die es mit Argentinien halten, aber schon einmal Mut und kündigte an: „Die Fans sollen uns weiter vertrauen. Wir werden liefern und auch gegen Polen keinen Fehler machen.“