Mörder von Journalistin Daphne Caruana Galizia verurteilt

Der Prozess um den Mord an der Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia hat ein schnelles Ende gefunden. Direkt am ersten Prozesstag in der maltesischen Hauptstadt Valletta konnte ein Urteil gesprochen werden. Die Brüder Alfred und George D. hätten zunächst noch auf „nicht schuldig“ plädiert, sagte ihr Verteidiger.

Nach wenigen Stunden Verhandlung jedoch bekannten sich die 57 und 59 Jahre alten Männer überraschend zu Ihrer Schuld. Offenbar wollten sie es vermeiden, von der am Morgen eingesetzten Jury verurteilt zu werden. Stattdessen fällte nun eine Richterin ihr Urteil: Die Brüder müssen für jeweils 40 Jahre ins Gefängnis – wegen Mordes, einer tödlichen Explosion und krimineller Verschwörung.

Malta Kriminalität l Mordfall Daphne Caruana Galizia

Demonstranten zeigen bei einer Protestkundgebung in Valletta Fotos von Caruana Galizia (Archivbild)

Die 53-jährige Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 bei einem Bombenanschlag auf ihr Auto getötet worden. Sie hatte regelmäßig über Korruption, Geldwäsche und andere illegale Geschäfte in Malta berichtet. Verwickelt waren nach ihren Recherchen auch Mitglieder der Regierung. Der Tod der Journalistin löste international große Empörung und Massenproteste in Malta aus. Im Zuge einer durch den Mord entstandenen schweren politischen Krise musste der damalige Regierungschef Joseph Muscat zurücktreten.

Im vergangenen Jahr hatten die nun verurteilten Brüder gesagt, sie seien bereit, einen ehemaligen Regierungsminister zu belasten, wenn man sie begnadige. Diesem Gesuch wurde aber nicht entsprochen. Vor den beiden hatten schon ein dritter Auftragsmörder ein Geständnis abgelegt. Er wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Malta Kriminalität l Mordfall Daphne Caruana Galizia l Eltern und Schwester auf dem Weg ins Gericht

Die Eltern und die Schwester der Ermordeten auf dem Weg ins Gericht

Auch ein Taxifahrer hatte bereits seine Tatbeteiligung eingeräumt. Er gab an, ein Vermittler zwischen den Mördern und dem bekannten Geschäftsmann Yorgen Fenech gewesen zu sein, der als Auftraggeber des Attentats gilt. Der Unternehmer und Millionär sitzt seit November 2019 in Haft und wartet auf seinen Prozess. Er wurde auf seiner Jacht bei einem möglichen Fluchtversuch festgenommen, streitet die Vorwürfe aber ab.

Die aus Malta stammende Präsidentin des EU-Parlaments, Roberta Metsola, schrieb am Freitagabend bei Facebook, der Schuldspruch bedeute für Caruana Galazia und die Angehörigen zwar keine Gerechtigkeit, sei aber „ein kleiner Schritt“. Jetzt müssten die Hintermänner des Mordes und jene, die die Täter schützten, zur Rechenschaft gezogen werden

djo/ie (afp, dpa)