„Mutiges“ Artenschutz-Abkommen in Sicht

Der Entwurf der chinesischen COP15-Präsidentschaft für ein Abschlusspapier der UN-Biodiversitätskonferenz „ist mutig“, erklärte die deutsche Umweltministerin Steffi Lemke. „Er enthält viele Punkte, die in die richtige Richtung weisen.“

Eines der vorab angekündigten Hauptanliegen des Gipfels in der ostkanadischen Metropole Montreal ist in dem Entwurf enthalten – nämlich das Ziel, mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen bis 2030 unter Schutz zu stellen. Zudem soll mehr Geld für den Erhalt der Artenvielfalt ausgegeben werden. Ebenso in dem Papier enthalten sind Garantien für die Rechte indigener Gemeinschaften, ihre Gebiete zu verwalten.

Kanada | COP15 Gipfel in Montreal | Maria Ohisalo und Steffi Lemke

Vor Ort in Kanada: Bundesumweltministerin Steffi Lemke (l.)

Ärmere Länder hatten darauf gedrängt, dass ihnen wohlhabende Staaten jährlich 100 Milliarden Dollar für Biodiversität zukommen lassen, konnten sich damit aber offensichtlich nicht durchsetzen. Nach dem Kompromissvorschlag sollen es nun zunächst zumindest 20 Milliarden Dollar pro Jahr sein, bis 2030 dann immerhin 30 Milliarden.

„Eine Chance“ für die Natur

Umwelt- und Naturschützer begrüßten insbesondere den Schutzflächen-Passus. Damit würde die Menschheit „die größte Verpflichtung der Geschichte“ zugunsten der Erhaltung von Meeren und Landflächen eingehen, so die Nichtregierungsorganisation Campaign for Nature. Ein Naturschutz dieses Ausmaßes „gibt der Natur eine Chance. Wenn er angenommen wird, werden sich die Aussichten für die Leoparden, die Schmetterlinge, die Meeresschildkröten, die Wälder und die Bevölkerung deutlich verbessern.“

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Vom Aussterben bedroht: Meeresschildkröte im östlichen Mittelmeer

Andere warnten, dass Ziele zu spät erreicht werden könnten. Einige Aspekte seien „nicht ehrgeizig genug und konzentrieren sich auf 2050, was zu weit in der Zukunft liegt“, betonte etwa die Naturschutzorganisation Wildlife Conservation Society (WCS). Der Verlust der Biodiversität sei „eine dringliche Krise, die unverzügliches Handeln erfordert“.

Die Weltnaturkonferenz, an der Tausende Delegierte aus aller Welt teilnahmen, soll an diesem Montag zu Ende gehen. Ziel ist ein neues Artenschutzabkommen von ähnlicher Bedeutung wie das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015. Von den schätzungsweise acht Millionen Tier- und Pflanzenarten auf der Erde sind laut Wissenschaftlern des Weltbiodiversitätsrats IPBES eine Million vom Aussterben bedroht.

wa/AR (afp, rtr, dpa)