NASA bricht Mondmission „Artemis I“ erneut ab

Trotz mehrerer Versuche sei es nicht gelungen, das Problem während des Betankens mit flüssigem Wasserstoff zu lösen, sagte NASA-Sprecher Derrol Nail. Rund drei Stunden vor dem Start wurde dieser dann abgesagt. Zu dem Zeitpunkt seien die Wasserstofftanks zu elf Prozent gefüllt gewesen, hieß es weiter. Der Jungfernflug der neuen US-Mondrakete musste somit ein zweites Mal verschoben werden.

Das noch bis Dienstag bestehende Startfenster sei „nicht mehr auf dem Tisch“, verkündete die NASA ein paar Stunden später. Die nächsten Startfenster wären vom 19. September bis zum 4. Oktober und vom 17. bis 31. Oktober. Möglich seien auch umfangreichere Nacharbeiten und eine Verschiebung auf Mitte Oktober, sagte NASA-Chef Bill Nelson. „Das ist Teil des Raumfahrt-Geschäfts.“

„Sie machen das richtig“

Er sei sehr stolz auf das Launch-Team, sagte Nelson. „Sie machen das richtig. Sie machen das, wie es vorgeschrieben ist.“ Seine eigene Space-Shuttle-Mission sei vier Mal verschoben worden, erinnerte sich der ehemalige Astronaut. „Der fünfte Versuch war dann eine beinahe fehlerlose sechstägige Mission.“

Artemis I-Mission der NASA erneut abgebrochen

Da war die Stimmung noch gut: Fotografen vor dem erhofften Start im Kennedy Space Center

Ein erster Startversuch von „Artemis I“  im US-Bundesstaat Florida war vergangenen Montag aus mehreren Gründen ebenfalls abgebrochen worden. Auch dabei war ein Tankleck aufgetreten, außerdem hatte ein Triebwerk nicht auf die nötige Temperatur heruntergekühlt werden können. 

Alexander Gerst: „Nicht überraschend“

ESA-Astronaut Alexander Gerst schrieb auf Twitter, solche Probleme seien bei Teststarts komplexer Systeme nicht überraschend. „Nach dem Startversuch ist vor dem Startversuch“, ergänzte er. „Es ist die richtige Entscheidung. Sicherheit kommt zuerst“, schrieb der Direktor der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, Josef Aschbacher, ebenfalls auf Twitter.

Der rund 40 Tage dauernde unbemannte Testflug der „Artemis I“-Mission soll nach Jahrzehnten die Wiederaufnahme bemannter Flüge zum Mond einläuten – nach der bislang letzten Mission „Apollo 17“ im Jahr 1972. Die NASA will dabei eine „Orion“-Raumkapsel mit Hilfe der Schwerlastrakete „Space Launch System“ vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus starten, die den Mond umkreisen und später wieder im Pazifik landen soll.

„Artemis II“ soll Astronauten transportieren

Der Testflug „Artemis I“ dient dazu, in wenigen Jahren Menschen mit der Mission „Artemis II“ zum Erdtrabanten schicken zu können. Frühestens 2025 sollen wieder Astronauten auf dem Mond landen, erstmals auch eine Frau und eine nicht-weiße Person. 

rb/nob/jj/wa (AFP, AP, dpa, Reuters)