Pakistan erhält nach Flutkatastrophe Hilfe in Milliardenhöhe

Pakistan hat für den Wiederaufbau nach den verheerenden Überschwemmungen Finanzzusagen in Milliardenhöhe bekommen. Es rechnet über fünf bis sieben Jahre mit einem Bedarf von rund 16 Milliarden Dollar (15 Milliarden Euro), von dem es die Hälfte selbst aufbringen will. Bei einer UN-Konferenz zur Unterstützung Pakistans gab es in Genf Zusagen im Umfang von mehr als 9 Milliarden Dollar, wie die pakistanische Regierung berichtete. Es handele sich um neue Mittel, betonte die Staatssekretärin im Außenministerium. Allein die islamische Entwicklungsbank (ISDB) sagte 4,2 Milliarden Dollar zu.

Der Chef des UN-Entwicklungsprogramms, Achim Steiner, lobte das Resultat der Konferenz als außergewöhnlich. Pakistan und seine Partner wie die Europäische Union oder die Asiatische Entwicklungsbank hätten getan, was möglich sei.

Nach heftigen Monsunregenfällen stand in Pakistan im Sommer 2022 zeitweise ein Drittel des Landes unter Wasser. Zum Vergleich: Das Land ist nach Fläche mehr als doppelt so groß wie Deutschland. Die südlichen Provinzen Sindh und Baluchistan erlebten im August sieben bis acht mal so viel Regen wie sonst üblich. Der Fluss Indus überschwemmte tausende Quadratkilometer Land.

Mehr als 1700 Menschen starben nach Überschwemmungen

Nach Behördenangaben kamen mehr als 1700 Menschen ums Leben, acht Millionen mussten vor den Fluten ihre Städte und Dörfer verlassen. Mehr als zwei Millionen Häuser, 13.000 Kilometer Straßen, fast 450 Brücken und mehr als 1,6 Millionen Hektar Agrarland sowie Kliniken und Trinkwasserreservoirs wurden beschädigt oder zerstört.

Überschwemmungen in Pakistan

Millionen Menschen in Pakistan leben ohne Aussicht auf Besserung als Tagelöhner in bitterer Armut

Die Vereinten Nationen befürchten, dass wegen der Katastrophe zusätzliche neun der 225 Millionen Einwohner in die Armut abrutschen. Das Land steht auf Platz 161 von 191 Ländern auf dem Index der menschlichen Entwicklung des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP). Das Vertrauen der Gesellschaft in die politische Führung ist nicht groß. Millionen Menschen leben ohne Aussicht auf Besserung als Tagelöhner in bitterer Armut. Ein beträchtlicher Teil des Staatshaushalts wird für das mächtige Militär ausgegeben, das über Atomwaffen verfügt.

Pakistan ist nicht der Verursacher 

Kurz vor den Überschwemmungen kam ein Bündnis aus Politikern an die Macht, die sich in der Vergangenheit immer wieder gegen Korruptionsvorwürfe wehren mussten. Bei aller Kritik an der Regierungsführung und den Finanzprioritäten ist aber klar: Pakistan hat immer schon Unwetterkatastrophen erlebt, sie werden durch den Klimawandel allerdings deutlich verschärft. 

Ein Team um die deutsche Klimaforscherin Friederike Otto hat berechnet, dass der Klimawandel die maximale Regenmenge über einen Fünf-Tage-Zeitraum in den südlichen Provinzen um bis zu 50 Prozent erhöht hat. „Kein Land hat so ein Schicksal verdient, aber besonders kein Land wie Pakistan, dass praktisch nichts zum Klimawandel und dem Temperaturanstieg beigetragen hat“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres bei einem Besuch im Krisengebiet.

Industrieländer sind verantwortlich

Für den Anstieg der Temperaturen sind vor allem die Industrieländer verantwortlich. Sie haben die Industrialisierung mit fossiler Energie vorangetrieben und dadurch den großen Ausstoß der klimaschädlichen Treibhausgase verursacht. Inzwischen tragen auch China, Indien und andere Länder zum Anstieg der Treibhausgase bei.

Mann fährt mit drei Mädchen auf dem Motorrad über überschwemmte Straße

Pakistan will das Land für die Zukunft gegen ähnliche Katastrophen besser wappnen

Die Nothilfe nach den Überschwemmungen kam nur schleppend voran. Von den 470 Millionen Dollar der Soforthilfen, die die UN veranschlagten, kam weniger als die Hälfte zusammen. Nun geht es um langfristige Hilfe. Pakistan will das Land für die Zukunft gegen ähnliche Katastrophen besser wappnen. 

Berlin sagt zusätzlich 84 Millionen Euro zu

Die Bundesregierung will Pakistan bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützen. Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesentwicklungsministerium, sagte bei der UN-Konferenz in Genf zusätzlich 84 Millionen Euro zu. Mit den neuen Mitteln sollen etwa Regenrückhaltebecken und Entwässerungssysteme finanziert werden. Die Bundesregierung hatte nach den Überschwemmungen im Sommer bereits 67 Millionen Euro für den Wiederaufbau wichtiger Infrastruktur und die Bewältigung der sozialen Folgen zugesichert.

Staatssekretär Flasbarth betonte: „Die Folgen des Klimawandels haben sich im vergangenen Jahr in Pakistan auf verheerende Art gezeigt: Auf Gluthitze und Dürre im Frühjahr folgten schwerste Überflutungen, die Teile des Landes komplett zerstört und Millionen Menschen die Lebensgrundlage genommen haben“, erklärte Flasbarth. „Das ist eine Krise, die Pakistan nicht alleine bewältigen kann.“

Staatssekretär Jochen Flasbarth

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Als erstes soll mit dem auf der Geberkonferenz in Genf eingesammelten Geld das teils unter Schlammschichten liegende Agrarland wieder hergestellt werden, damit die Menschen ihren Lebensunterhalt wieder verdienen können. Ebenso sollen neue Schulen, Kliniken, Häuser und Straßen so gebaut werden, dass sie neuen Überschwemmungen standhalten können.

kle/qu/nob/se (dpa, epd, rtr)