Ruanda: Hunger bei burundischen Flüchtlingen

Das Mahama-Flüchtlingscamp liegt im südöstlichsten Zipfel Ruandas. An seinem Rand fließt der Kagera-Fluss, dahinter liegt Tansania. Burundische Flüchtlingskinder sind ganz in ihr Spiel vertieft. Doch das kann nicht über die Lebensbedingungen im Camp hinwegtäuschen.

Die Lebensmittelrationen seien nicht bloß zurückgefahren worden, sagt Innocent Hakizimana (Name geändert), sondern auch verspätet ausgegeben worden: „Drei Kilogramm Mais und Bohnen soll es monatlich geben – aber diese Ration bekommen wir zurzeit nicht“, sagt der verzweifelte Flüchtling im DW-Gespräch.

Fünf Dollar für einen Monat

„Jetzt bekommen wir fünf US-Dollar (4,65 Euro), mit denen wir einen Monat hinkommen müssen“, sagt Hakizimana – doch manchmal sei es weniger. Diese Summe habe er zuletzt bei seiner Ankunft im Camp erhalten, Mais und Bohnen schon lange nicht mehr. Er wisse nicht, warum die Unterstützung reduziert worden sei.

Hakizimana findet Trost in burundischer Musik, die er sich in seiner Unterkunft anhört. Schwerer hätten es Familien, deren Kinder oft ohne Essen auskommen müssten oder nur dank der Spenden anderer überleben könnten: „Ich kenne Familien mit mehr als acht Kindern, die ohne Hilfe bleiben. Manchmal haben die Kinder mehr als eine Woche nichts zu essen.“

Kinder am schwersten betroffen

Lilly Carlisle, Sprecherin des UNHCR in Ruanda, gibt an, das UN-Flüchtlingshilfswerk habe trotz aller Herausforderungen weder die Lebensmittelrationen noch die monatliche Unterhaltszahlung gekürzt. „Die Lebensmittelhilfe für Flüchtlinge in Ruanda, die das Welternährungsprogramm zur Verfügung stellt, ist gleich geblieben“, betont Carlisle – und das ungeachtet der Teuerung von Lebensmitteln.

Eine gruppe Menschen, Frauen mit Kindern auf dem Arm

Auch aus Tansania kehrten Burundier im Laufe der Krise zurück – teils freiwillig, teils unter Androhung der Abschiebung

Carlisle weist Vorwürfe zurück, laut denen Burundier ausgehungert würden, um ihre Rückkehr ins Herkunftsland zu erzwingen. „Das ist komplett falsch“, sagt sie der DW. „Ob burundische Flüchtlinge Ruanda verlassen, bleibt eine freiwillige Entscheidung. Wir beim UNHCR bieten Unterstützung und Beratung in diesem Prozess.“ Eine DW-Anfrage bei der Pressestelle der ruandischen Regierung blieb zunächst unbeantwortet.

Vergessene Krise

Seit 2015 sind mehr als 300.000 Menschen aus Burundi in die Nachbarländer geflohen. Auslöser war eine politische Krise: Der damalige Präsident Pierre Nkurunziza hatte sich entschieden, entgegen der Verfassung für eine dritte Amtszeit anzutreten, was massive Proteste auslöste. Die Regierung griff hart durch, Regimegegner wurden willkürlich ermordet. Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass mehr 1700 Menschen im Zuge des Konflikts gestorben sind.

Erst mit der Wahl 2020 übergab Nkurunziza die Präsidentschaft an seinen Nachfolger Evariste Ndayishimiye, Monate später starb er, mutmaßlich nach einer Infektion mit dem Coronavirus. Viele Burundier kehrten daraufhin in ihre Heimat zurück. Doch wirtschaftlich hat sich das Land nicht von der Krise erholt, extreme Dürren und Überschwemmungen belasten den Haupteinkommenszweig der Landwirtschaft. Die deutsche Hilfsorganisation CARE zählt die Situation in Burundi zu den zehn vergessenen Krisen 2022.

Laut UN-Angaben leben noch immer 30.000 burundische Flüchtlinge in Ruanda – und fast 150.000 jenseits des Kagera in Tansania. Immer wieder klagen diese Gruppen über Stigmatisierung durch die Behörden.

Aus dem Englischen adaptiert von Philipp Sandner