Schiffswrack „Äpplet“ in Schweden entdeckt

Ein „weltweit einzigartiger Fund“ sei dies, so hieß es am Montag (24.10.2022) beim Wrackmuseum Vrak in Stockholm. Unter anderem technische Details und Holzproben hätten bestätigt, dass man tatsächlich die „Äpplet“, ein Schwesterschiff des berühmten Kriegsschiffes „Vasa“ gefunden habe.

Nach Museumsangaben wurde die „Äpplet“ 1629 zu Wasser gelassen. Sie gehörte zu einem Auftrag des damaligen schwedischen Königs Gustav Adolf, der vier Kriegsschiffe bestellt hatte. So wurde es wahrscheinlich vom selben Schiffsbauer wie die „Vasa“ konstruiert.

Kriegsschiff Vasa – auf der Jungfernfahrt gesunken

Die „Vasa“ galt mit ihren 64 Kanonen als eines der stärksten Kriegsschiffe ihrer Zeit und sollte Schweden während des Dreißigjährigen Krieges als Seegroßmacht repräsentieren. Sie hatte allerdings ihre Jungfernfahrt nicht überstanden. Aufgrund eines Konstruktionsfehlers sank die „Vasa“ nach etwa 1300 Metern auf den Meeresgrund vor Stockholm.

Die „Äpplet“ dagegen hatte gut 30 Jahre lang als Kriegsschiff gedient und wurde schließlich als Teil einer Unterwasserbarriere versenkt, die Feinde daran hindern sollte, Stockholm auf dem Seeweg zu erreichen.

Zwei Männer präsentieren ein Wrackteil.

Die Taucher und Meeresarchäologen Patrik Höglund und Jim Hansson präsentieren ein Wrackteil

In einer Meerenge nahe der Insel Vaxholm östlich von Stockholm hatten Archäologen des Vrak-Museums in Zusammenarbeit mit der schwedischen Marine immer wieder nach Schiffswracks Ausschau gehalten. Ende 2021 wurde dort dann ein mächtiges Wrack entdeckt. Teile der Wände waren zwar auf den Meeresgrund gefallen, doch der Rumpf war ansonsten erhalten geblieben. Die eingestürzten Seiten des Wracks wiesen Luken auf zwei unterschiedlichen Ebenen auf – und die Wissenschaftler folgerten, dass es sich um ein Kriegsschiff mit zwei Kanonendecks handeln müsse.

„Äppelet“ soll auf dem Meeresboden bleiben

„Unser Puls ist gestiegen, als wir gesehen haben, wie ähnlich das Wrack der ‚Vasa‘ war“, sagte der beteiligte Meeresarchäologe Jim Hansson laut Museumsmitteilung. Die Möglichkeit, eines der Schwesterschiffe der „Vasa“ gefunden zu haben, sei zum Greifen nah gewesen. Es stellte sich schließlich heraus, dass das Eichenholz für den Bau der „Äpplet“ 1627 in derselben Region gefällt worden war wie das Holz für die „Vasa“ einige Jahre vorher.
„Die Dimensionen, Konstruktionsdetails, Holzproben und Archivmaterial haben allesamt in dieselbe Richtung gezeigt“, so Patrik Höglund, ein weiterer Meeresarchäologe des Museums. Man sei sich sicher, dass man das Schwesterschiff der „Vasa“ gefunden habe, und das sei „fantastisch“.

Das Wrack der Vasa in einer Ausstellungshalle

Die Jungfernfahrt der „Vasa“ dauerte nur etwa 20 Minuten

Die „Vasa“ wurde bereits 1961 im Stockholmer Hafen gefunden – nach 333 Jahren am Meeresboden. Heute ist das imposante Kriegsschiff das am besten erhaltene Schiff des 17. Jahrhunderts und in Stockholm in einem eigens dafür errichteten, inzwischen weltberühmten Museum zu betrachten. Das restaurierte Schiff umfasst 98 Prozent der Originalteile, darunter Hunderte kunstvoll geschnitzte Holzskulpturen. 

Anders als die „Vasa“ soll die „Äpplet“ wohl am Meeresboden verbleiben. Ihr gehe es dort unten am besten, sagte Hansson der Nachrichtenagentur TT.

sw/bb (mit dpa/Vasa-Museum)