Schüsse auf ehemalige Synagoge in Essen

Auf den Gebäudekomplex einer ehemaligen Synagoge in der Stadt Essen in Nordrhein-Westfalen (NRW) sind mehrere Schüsse abgefeuert worden. Getroffen wurde das Rabbinerhaus, in dem ein Institut für deutsch-jüdische Geschichte untergebracht ist. Es grenzt an die alte Synagoge, die heute als Kulturzentrum und nicht mehr als Gotteshaus genutzt wird. Der Innenminister von NRW, Herbert Reul, spricht von einem „Anschlag“.

Konkret sind wohl in der Nacht auf Freitag mindestens vier Schüsse aus einer scharfen Waffe abgefeuert worden. Sie trafen laut einem Polizeisprecher eine verglaste Eingangstür. Verletzt wurde niemand. Am Morgen wurden die Einschusslöcher entdeckt. Nach dem Fund suchte die Polizei auch mit Spürhunden nach möglichem Sprengstoff. 

Videoaufnahmen zeigen mutmaßlichen Täter

Es wird nach einem Mann gesucht, der die Schüsse abgefeuert haben soll. Auf Videoaufzeichnungen einer Kamera, die den Platz vor der alten Synagoge filmt, ist laut Polizei eine Person zu sehen, die die Tat begangen haben soll. Die Qualität der Aufzeichnungen sei aber „äußerst schlecht“. Ob die Tat einen politischen Hintergrund habe, sei noch unklar. Der Staatsschutz ermittelt trotzdem bereits. Er kümmert sich um die Bekämpfung politisch motivierter Kriminalität. 

Essen | Alte Synagoge

Die Alte Synagoge Essen heißt seit 2010 „Haus jüdischer Kultur“

Das Rabbinerhaus wird laut einer Sprecherin der Stadt Essen nicht von der jüdischen Gemeinde genutzt. Es steht – baulich nicht davon getrennt – unmittelbar neben dem ehemaligen Synagogengebäude. Das Institut im Rabbinerhaus erforscht Geschichte und Kultur der Juden im deutschen Sprachraum. In der alten Synagoge nebenan gibt es Ausstellungen und Veranstaltungen zur jüdischen Geschichte. Zu besonderen Anlässen komme dort auch die Kultusgemeinde zusammen, etwa zum Gedenken an die Pogromnacht vom 9. November 1938. Damals wurden die Synagoge und das Rabbinerhaus angezündet und im Innenbereich zerstört. Die Polizei ist wegen einer abstrakten Gefahr während der Öffnungszeiten der alten Synagoge stets vor Ort – wie bei Objekten mit jüdischem Bezug in Deutschland üblich.

Israelischer Botschafter sieht Bedrohung

Der Botschafter Israels in Deutschland, Ron Prosor, verurteilte die Tat. „Die Schüsse auf die alte Synagoge in Essen zielen nicht nur auf die jüdische Gemeinde in Deutschland, sondern sind eine Bedrohung für die gesamte deutsche Gesellschaft.“ Der Kampf gegen Antisemitismus müsse oberste Priorität haben. „Hier darf nicht nachgelassen werden.“ Bundesjustizminister Marco Buschmann zeigte sich entsetzt über „diesen neuerlichen Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland“. Antisemitismus dürfe keinen Platz haben. „Es ist unsere Pflicht, jüdisches Leben zu schützen.“

cwo/uh (dpa, afp, kna, epd)