Schweiz plant Atommülllager an deutscher Grenze

Nur wenige Kilometer südlich der baden-württembergischen Gemeinde Hohentengen am Hochrhein soll das Endlager entstehen. Das teilte die schweizerische Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) mit. Dort sollen die Abfälle in mehreren hundert Metern Tiefe in Opalinuston eingebettet werden. Der Standort für das Tiefenlager sei wegen der Geologie gewählt worden. Zur Auswahl standen noch zwei weitere Standorte, die ebenfalls sehr nah an der deutschen Grenze liegen.

„Die benötigte Einschlusszeit beträgt bei hochaktiven Abfällen etwa 200.000 Jahre und bei schwach- und mittelaktiven Abfällen rund 30.000 Jahre“, heißt es auf der Webseite der Nagra. Konkret geht es um etwa 9300 Kubikmeter hoch radioaktive Abfälle und 72.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Sie stammen aus den einst fünf Schweizer Atomkraftwerken sowie aus Medizin und Industrie. Vier Atomkraftwerke sind noch am Netz. Sie sollen nicht ersetzt, dürfen aber betrieben werden, solange ihre Sicherheit gewährleistet ist. Das kann bis in die 2040er Jahre gehen.

Endgültige Entscheidung über das Endlager wohl nicht vor 2031

Die Nagra will bis 2024 ein Baugesuch einreichen. Danach entscheidet die Regierung in Bern über die Bewilligung, das Parlament muss den Beschluss genehmigen. Darüber kann in der Schweiz aber eine Volksabstimmung durchgesetzt werden. Die würde voraussichtlich nicht vor 2031 stattfinden. Wird der Beschluss nicht abgelehnt, kann der Bau des Atommülllagers beginnen. Die mehrjährige Einlagerung begänne etwa 2050. 

Gemeinden sorgen sich um sichere Trinkwasser-Versorgung

Die grenznahe Lage des geplanten Standorts stelle sowohl in der Errichtungsphase als auch beim Betrieb des Endlagers für diese und umliegende Gemeinden eine große Belastung dar, sagte Christian Kühn, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium und Bundestagsabgeordneter aus Baden-Württemberg der Deutschen Presse-Agentur.

Die deutschen Gemeinden in Grenznähe beschäftigt vor allem die Frage der Trinkwasserversorgung. „Wir haben überall Trinkwasserbrunnen, wir haben Aare und Rhein in der Nähe. Die Frage nach dem Trinkwasserschutz ist eine große Sorge der Bevölkerung“, sagt Martin Steinebrunner von der Deutschen Koordinationsstelle Schweizer Tiefenlager (DKST) beim Regionalverband Hochrhein-Bodensee. Unklar ist noch, wo die Verpackung zur Endlagerung stattfinden soll. Derzeit liegen die Abfälle in einem Zwischenlager für atomare Abfälle in Würenlingen rund 15 Kilometer südlich der deutschen Gemeinde Waldshut-Tiengen.

In vielen anderen Ländern wie auch in Deutschland ist die Frage nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll noch unbeantwortet. Die Entscheidung für einen deutschen eigenen Endlager-Standort steht frühestens 2031 an.

qu/wa (dpa, rtr)