Teil der Flüchtlinge von „Ocean Viking“ darf einreisen

Eine Woche nach dem Einlaufen des Rettungsschiffs „Ocean Viking“ in den südfranzösischen Hafen von Toulon zeichnet sich ab, dass nicht alle der Migranten offiziell in Frankreich einreisen können. Die Asylbehörde habe 123 Menschen einen negativen Bescheid erteilt, teilte das französische Innenministerium mit. 66 Menschen wurde die Einreise genehmigt. Sie sollen nun auf elf europäische Länder verteilt werden, die sich zur Aufnahme bereit erklärt hatten. Innenminister Gérald Darmanin hatte bereits vor einigen Tagen angekündigt, dass mindestens 44 der Migranten abgeschoben werden sollen. Er hatte keine Details zu ihren Herkunftsländern genannt.

Frankreich beklagt „üble Geste“ Italiens

Frankreich öffnet Hafen für „Ocean Viking“

Um das Schicksal des Schiffes hatte es zuvor ein tagelanges Tauziehen gegeben. Denn Italien hatte sich geweigert, dem Schiff einen Hafen zuweisen. Frankreich gestattete der „Ocean Viking“ daraufhin „ausnahmsweise“ das Anlegen in Toulon. Der Umgang mit dem Schiff hatte Streit zwischen Frankreich und Italien ausgelöst. Das Präsidialamt in Paris warf Italien am Freitag erneut vor, dem Schiff keinen Hafen geöffnet zu haben. „Eine üble Geste“, hieß es. 

Die Migranten halten sich derzeit in einem Feriendorf auf der südfranzösischen Halbinsel Giens auf, das sie nicht verlassen dürfen. Die Asylbehörde prüft dort, ob ein Asylantrag Aussicht auf Erfolg haben könnte. Die französische Regierung hat das Feriendorf zur internationalen Wartezone erklärt, wodurch es offiziell nicht zum französischen Staatsgebiet zählt. Hilfsorganisationen kritisieren, dass es nicht genügend Übersetzer, Anwälte und Psychologen gebe. 

Ocean Viking Rettungsschiff Migration

Tagelang war unklar, wo das Rettungsschiff anlegen kann

Minderjährige auf eigene Faust weitergezogen

44 minderjährige Migranten wurden in einem Aufnahmezentrum untergebracht, das sie ungehindert verlassen konnten. Inzwischen ist klar, dass 26 von ihnen einfach auf eigene Faust weitergereist sind. Der Vorsitzende des Departementrats erklärte, die zumeist aus Eritrea stammenden jungen Flüchtlinge seien auf eigene Faust zu Familie oder Freunden nach Deutschland, Norwegen oder Schweden aufgebrochen. Französische Politiker nutzen den Vorfall, um die Migrationspolitik der Regierung zu kritisieren. „Unsere Regierung ist vorgeführt worden durch das Abhauen der 26 ‚Minderjährigen‘ der Ocean Viking“, sagte Marine Le Pen, Fraktionsvorsitzende des rechtsgerichteten Rassemblement National. „Die Franzosen sehen einmal mehr, dass alles außer Kontrolle geraten ist.“

cwo/uh (afp, dpa)