Ukraine aktuell: Massengrab in zurückeroberter Stadt Isjum

Das Wichtigste in Kürze:

  • Massengrab in zurückeroberter Stadt gefunden
  • EU mahnt: Russische Verbrechen müssen geahndet werden
  • Papst sieht Recht zur Selbstverteidigung

 

Nach dem Abzug russischer Truppen ist nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in der ostukrainischen Stadt Isjum im Gebiet Charkiw ein „Massengrab“ gefunden worden. „Die nötigen prozessualen Handlungen haben dort schon begonnen“, sagte der Staatschef in einer Videobotschaft.

Presse soll Zugang erhalten

An diesem Freitag solle es genauere Informationen geben und Journalisten sollten zu dem Massengrab gebracht werden. „Wir wollen, dass die Welt erfährt, was wirklich passiert ist und wozu die russische Okkupation geführt hat“.

Selenskyj verglich Isjum mit den Städten Butscha und Mariupol, die zu Symbolen für die Gräuel der russischen Invasion der Ukraine geworden seien. „Russland hinterlässt überall den Tod“, sagte er. Die Welt müsse Moskau „wirklich für diesen Krieg zur Rechenschaft ziehen.“

Ukrainische Medien berichten von einem Fund von mehr als 440 Leichen in einem Wald. Die Russen hatten das Gebiet am Samstag nach einer Gegenoffensive der ukrainischen Kräfte fluchtartig verlassen. Das Verteidigungsministerium in Moskau hatte von einer „Umgruppierung“ seiner Truppen gesprochen, während selbst kremlnahe Quellen von einer verheerenden Niederlage sprachen.

Putin muss für Taten einstehen, mahnt von der Leyen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hält es für eine realistische Möglichkeit, dass sich der russische Präsident Wladimir Putin vor dem Internationalen Strafgerichtshof für die Kriegsverbrechen in der Ukraine verantworten muss. Von der Leyen sagt in einem Interview mit „Bild TV“: „Dass Putin diesen Krieg verlieren muss und für seine Taten einstehen muss, das ist mir wichtig.“

Von der Leyen erneut in Kiew

Es stehe außer Zweifel, dass in der Ukraine schwerste Kriegsverbrechen begangen würden: „Deshalb unterstützen wir, dass die Beweise gesammelt werden, dass vor dem Internationalen Strafgerichtshof die Verfahren möglich sind. Das ist die Grundlage unserer gemeinsamen internationalen Rechtsordnung, dass wir dann auch diese Verbrechen ahnden. Und zum Schluss ist Putin dafür verantwortlich.“ Auf die Frage, ob sie glaube, dass es jemals zu einem Prozess gegen Putin kommen werde, sagt die EU-Kommissionspräsidentin: „Ich halte das für möglich.“ 

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen in Kiew

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen war am Donnerstag erneut in Kiew

Zum Abschluss ihres Besuches in der Ukraine am Donnerstag hatte die EU-Kommissionspräsidentin betont, es sei wichtig, trotz der steigenden Kosten das Land weiter zu unterstützen. „Die Hilfe für die Ukraine ist teuer, aber unsere Freiheit, die internationale Friedensordnung und die Demokratie sind unbezahlbar“, sagte von der Leyen als Antwort auf die Frage nach den möglichen Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise in Europa auf die Unterstützung der Ukraine. Zudem hätten die Sanktionen der EU gegen Russland tiefe und sichtbare Auswirkungen.

Papst spricht von Recht auf Selbstverteidigung

Papst Franziskus hält Waffenlieferungen an die Ukraine für moralisch vertretbar, wenn diese nur der Selbstverteidigung dienen. Das sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Rückflug von seiner Kasachstan-Reise nach Rom. Auf eine entsprechende Frage antwortete der Pontifex, dass es aber unmoralisch sei, Waffen zu liefern „mit der Absicht, noch mehr Krieg zu provozieren, mehr Waffen zu verkaufen oder alte Waffen loszuwerden“.

Die Ukraine kämpft seit dem russischen Angriff am 24. Februar gegen die Invasoren. Sich selbst zu verteidigen, sei „nicht nur berechtigt, sondern ein Beweis der Liebe zur Heimat“, sagte Franziskus. „Wer etwas verteidigt, der liebt es auch.“ Der Pontifex hatte als Teilnehmer eines zweitägigen Religionstreffens in der kasachischen Hauptstadt Nur-Sultan die Welt zu größerem Einsatz für den Frieden aufgefordert. „Alle reden vom Frieden“, erinnerte er bei seiner traditionellen Pressekonferenz im Flugzeug.

Kasachstan Besuch des Papsts Franziskus

Papst Franziskus, hier bei seinem Treffen mit dem Präsidenten von Kasachstan,Kassym-Schomart Tokajew am 13. September

„Seit 70 Jahren reden die Vereinten Nationen vom Frieden und machen viele Dinge. Aber wie viele Kriege toben heute wieder?“ Wie zuletzt bereits öfter unterstrich der Papst: „Wir sind in einem Weltkrieg.“ Franziskus erwähnte dabei auch den zuletzt wieder aufgeflammten Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan, in dem es inzwischen eine Waffenpause gibt. Russland ist Schutzmacht Armeniens und eigentlich ein Friedensgarant in dem jahrzehntelangen Konflikt. „Hier ein Garant für Frieden, dort führt man Krieg“, sagte Franziskus in Richtung Moskau.

Mit allen reden

Dennoch meinte der 85 Jahre alte Argentinier, dass man auch mit einem Aggressor wie Russland den Dialog suchen müssen. Das sei schwer, müsse aber getan werden. „Man muss allen die Möglichkeit zum Gespräch geben, allen“, sagte Franziskus. Er wolle keinen Dialog mit irgendeiner Partei ausschließen, „auch nicht mit dem Aggressor“.

haz/bru (dpa, rtr, afp)