Ukraine aktuell: Russland zieht Militärflugzeuge auf der Krim ab

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ukrainischer Geheimdienst: Russische Kampfflugzeuge von der Krim weggebracht
  • Kiew fordert „Demontage“ einer wichtigen Krim-Brücke
  • Ukraine stellt sich auf Luftangriffe zum Nationalfeiertag ein
  • UN-Generalsekretär Guterres in Lwiw angekommen
  • UN-Schiff mit Getreide für Äthiopien erreicht den Bosporus

Wie der ukrainische Militärgeheimdienst auf Facebook mitteilte, werden die russischen Flugzeuge teils ins Innere der 2014 annektierten Halbinsel Krim überführt, teils auf russisches Festland abgezogen. So sei die Verlegung von mindestens 24 Flugzeugen und 14 Hubschraubern beobachtet worden. Überprüft werden konnten die Angaben aus Kiew nicht.

Am 9. August hatten mehrere Explosionen den russischen Luftwaffenstützpunkt Saki an der Westküste der Krim erschüttert. Satellitenbilder zeigten später, dass mindestens sieben Kampfjets zerstört worden waren. Am Dienstag wurden schwere Detonationen in einem Munitionsdepot bei Dschankoj und eine kleinere Explosion auf dem Fliegerhorst Gwardejskoje nahe Simferopol beobachtet. Die Ukraine hat offiziell keine Verantwortung für die Angriffe übernommen. Allerdings lassen die schweren Schäden auf gezielte Aktionen gegen die Militäranlagen schließen.

Wieder Explosionen auf der Krim (16.08.2022)

Ukraine fordert „Demontage“ von wichtiger Krim-Brücke

Die Ukraine hat zur „Demontage“ der Brücke über die Straße von Kertsch aufgerufen. Diese Brücke zur zur annektierten Halbinsel Krim ist für Russland strategisch sehr wichtig. Die Brücke sei ein „illegales Objekt“ und müsse abgebaut werden – „egal wie: freiwillig oder nicht“, erklärte der Berater des ukrainischen Präsidenten, Mychailo Podoljak, auf Telegram. Er drohte damit indirekt mit einem militärischen Angriff auf die Brücke.

Die Brücke über die Straße von Kertsch ist die wichtigste Straßen- und Bahn-Verbindung zwischen dem russischen Festland und der Krim. Das 19 Kilometer lange Bauwerk war im Mai 2018 von Kreml-Chef Putin eingeweiht worden, der damals als erster in einem Lastwagen an der Spitze einer Fahrzeugkolonne über die neue Brücke fuhr. Vier Jahre zuvor hatte Russland die ukrainische Halbinsel annektiert.

Der Aufruf Podoljaks erfolgte nach mehreren Explosionen auf der russisch besetzten Halbinsel Krim, die Russland als logistische Basis für seine Invasion der Ukraine nutzt. Am Dienstag war ein Munitionslager auf einem Militärstützpunkt im Norden der Halbinsel explodiert. Moskau sprach von einem „Sabotageakt“, ohne jedoch direkt Verantwortliche zu nennen. Der Leiter des ukrainischen Präsidialamts, Andrij Jermak, sprach von einer „Meisterleistung der ukrainischen Streitkräfte“. Neben dem Munitionsdepot wurde auch zivile Infrastruktur beschädigt, darunter eine Hochspannungsleitung, ein Kraftwerk, eine Eisenbahnstrecke und mehrere Häuser.

Russland Ukraine Krim Brücke

Die Brücke von Kertsch verbindet die Halbinsel Krim und Russland

Ukraine stellt sich auf Luftangriffe zum Nationalfeiertag ein

Die Ukraine erwartet russische Raketenangriffe auf die Hauptstadt Kiew zu ihrem Tag der Unabhängigkeit am 24. August. Das sagte der Präsidentenberater Olexij Arestowytsch, der sich oft zu militärischen Fragen äußert. An der militärischen Lage werde sich dadurch aber nichts ändern, sagte er. Eher wäre es „eine rein emotionale Geste, um mehr Zivilisten zu töten und uns den Feiertag zu verderben“. Aber auch die Ukraine habe Mittel, den Russen den Tag zu verderben, sagte Arestowytsch. Er erinnerte an die Serie von Explosionen auf russischen Militäranlagen auf der Halbinsel Krim. „Für sie wird es dort im Falle eines Angriffs viel schlimmer sein als für uns hier“, drohte er.

Die ehemalige Sowjetrepublik Ukraine erinnert jedes Jahr an die Erklärung ihrer Unabhängigkeit am 24. August 1991. In diesem Jahr fällt der Feiertag zusammen mit einem halben Jahr Abwehrkampf gegen die russische Invasion. Russland hatte das Nachbarland am 24. Februar angegriffen.

Ukraine: Mindestens sechs Tote bei russischem Angriff auf Charkiw

Durch einen russischen Angriff auf die zweitgrößte ukrainische Stadt Charkiw sind mindestens sechs Menschen getötet worden. Zudem wurden nach Angaben der Behörden 16 Menschen verletzt, wie der Gouverneur der Region, Oleg Sinegubow, auf Telegram bekanntgab. Nach dem Angriff sei ein großes Feuer in einem Wohngebäude ausgebrochen.

Ukraine-Krieg - Charkiw

Russische Raketen fliegen über die ukrainische Stadt Charkiw hinweg

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte auf Telegram, bei dem Angriff sei ein Wohngebäude „völlig zerstört“ worden. Es handele sich um einen „schändlichen und zynischen Angriff auf Zivilisten“, der „völlig ungerechtfertigt“ sei und die „Machtlosigkeit des Aggressors“ zeige. Charkiw im Nordosten der Ukraine liegt nur 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt und wird seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges Ende Februar regelmäßig bombardiert. Den russischen Truppen gelang es jedoch bisher nicht, die Stadt einzunehmen.

Kleinere russische Geländegewinne im Raum Donezk

Im Ukraine-Krieg haben die russischen Truppen im östlichen Gebiet Donezk kleinere Geländegewinne gemacht. Wie der ukrainische Generalstab mitteilte, erzielten die Russen Erfolge bei Opytne im Norden von Donezk und bei Nowomychajliwka im Südwesten. An anderen Abschnitten wiederum seien russische Angriffe abgewehrt worden. Genannt wurden Ortschaften nördlich von Slowjansk und im Osten und Süden der Städte Soledar und Bachmut. Auch südwestlich von Wuhledar seien russische Attacken zurückgeschlagen worden. In den Gebieten Charkiw und Cherson seien Vorstöße der Russen ebenfalls gescheitert.

Selenskyj fordert bedingungslosen Abzug der Russen vom Atomkraftwerk

Vor einem Treffen mit UN-Generalsekretär António Guterres hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erneut einen Abzug russischer Truppen aus dem Kernkraftwerk Saporischschja gefordert. „Dies muss ohne Bedingungen und so bald wie möglich geschehen“, sagte Selenskyj in einer Videoansprache. Ukrainische Diplomaten, Wissenschaftler und die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) arbeiteten daran, den Besuch einer Expertenkommission in dem Kernkraftwerk zu ermöglichen.

Ukraine Atomkraftwerk Saporischschja

Blick auf das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja

Die Lage in dem von russischen Truppen besetzten größten Atomkraftwerk Europas beunruhigt die internationale Staatengemeinschaft seit Wochen. Immer wieder schlagen auf dem Kraftwerksgelände Geschosse ein, wobei sich Russland und die Ukraine gegenseitig für den Beschuss verantwortlich machen. Der Besuch einer IAEA-Mission in Saporischschja wird Thema bei dem Treffen Selenskyjs mit Guterres an diesem Donnerstag in Lwiw (Lemberg) sein. Dritter Teilnehmer des Gipfels ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die drei Politiker dürften zudem die Umsetzung eines Abkommens zu ukrainischen Getreide-Exporten erörtern. 

UN-Schiff mit Getreide für Äthiopien erreicht den Bosporus

Das erste Schiff, das für die Vereinten Nationen gechartert wurde, hat mit ukrainischem Getreide für Afrika den Bosporus erreicht. Die mit 23.000 Tonnen Weizen beladene „MV Brave Commander“ wird nach Angaben der türkischen Küstenwache am südlichen Ende der Meerenge ankommen, bevor sie weiter nach Dschibuti fährt. Das Schiff war vom Schwarzmeerhafen Piwdennji in der Stadt Juschne aufgebrochen. Das Getreide an Bord ist für Äthiopien bestimmt.

Ukraine-Krieg | Frachter Brave Commander

Der Frachter „Brave Commander“ wird im UN-Auftrag mit ukrainischem Weizen beladen

Das erste Schiff mit einer Getreideladung seit Beginn des russischen Angriffskrieges Ende Februar war am 1. August in der Ukraine gestartet, seitdem waren es laut ukrainischen Hafenbehörden über 20 Schiffe. Die Ukraine und Russland sind die größten Getreide-Exporteure der Welt. Wegen des russischen Angriffskrieges waren monatelang alle Getreide-Exporte der Ukraine aus ihren Schwarzmeer-Häfen blockiert, was zu einer globalen Lebensmittelkrise beigetragen hatte. Im Juli einigten sich Russland, die Ukraine, die Türkei und die Vereinten Nationen auf ein Abkommen, um die Blockade zu überwinden. Die Exporte werden in Istanbul kontrolliert.

kle/mak (dpa, afp, rtr, ape)     

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.