Ukraine Aktuell: USA verurteilen neue russische Angriffe scharf

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE:

 

  • USA kritisieren Russland und Iran
  • Tausende russische Soldaten kommen nach Belarus
  • Selenskyj erneuert Bitte um Luftabwehr-Systeme

 

Die USA haben die jüngsten Angriffe Russlands auf die ukrainische Hauptstadt Kiew und andere Orte in der Ukraine scharf verurteilt. Sie demonstrierten aufs Neue die Brutalität des russischen Präsidenten Wladimir Putin, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre. „Wir werden das ukrainische Volk weiterhin unterstützen und dafür sorgen, dass es das hat, was es braucht, um seinen mutigen Kampf fortzusetzen“, sagte sie. Die USA hatten zuletzt neue Militärhilfe für die Ukraine mit einem Volumen von bis zu 725 Millionen Dollar (745,6 Millionen Euro) angekündigt.

Vorwürfe an den Iran

Russland hatte am Montag die Ukraine erneut mit Angriffen überzogen. Bei Drohnenangriffen auf die Millionenstadt Kiew waren vier Menschen getötet worden. Abends gab es Luftalarm auch über den südlichen Gebieten Mykolajiw und Odessa. In Odessa waren Explosionen zu hören. Im zentralukrainischen Gebiet Dnipropetrowsk wurde nach Behördenangaben ein Gebäude der Energieversorgung getroffen. „Es brach ein Brand aus, die Schäden sind groß“, schrieb Gouverneur Mykola Lukaschuk.

Neben Raketen setzte Moskau dieses Mal verstärkt auf Kampfdrohnen. Die USA werfen dem Iran vor, Russland solche Drohnen zu liefern. Jean-Pierre wiederholte, dass es „umfangreiche Beweise“ für den Einsatz von Waffen aus dem Iran durch Russland gegen militärische und zivile Ziele gebe. Offenbar habe auch eine iranische Drohne die Innenstadt von Kiew getroffen, eindeutig legte sie sich dazu aber nicht fest.

Russland greift ukrainische Städte mit Drohnen an

Die USA würden weiterhin energisch Sanktionen gegen russisch-iranischen Waffenhandel durchsetzen, fügte Jean-Pierre hinzu. Das US-Außenministerium zeigte sich überzeugt, dass der Iran mit der Lieferung von Drohnen an Russland gegen Embargo-Maßnahmen gemäß der UN-Resolution 2231 verstoße.

Tausende russische Soldaten werden in Belarus stationiert

Für einen gemeinsamen Militärverbund von Belarus und Russland sollen nach Angaben aus Minsk bis zu 9000 russische Soldaten und rund 170 Panzer in Belarus stationiert werden. Neben dieser „Gesamtzahl“ russischer Soldaten werde Russland auch „etwa 170 Panzer, bis zu 200 gepanzerte Fahrzeuge und bis zu 100 Waffen und Mörser mit einem Kaliber über 100 Millimeter“ nach Belarus entsenden, teilte der Berater des belarussischen Verteidigungsministeriums, Valeri Rewenko, mit.

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko hatte in der vergangenen Woche die Aufstellung eines gemeinsamen Militärverbundes mit Russland bekanntgegeben. Die Aussage hatte Befürchtungen ausgelöst, belarussische Soldaten könnten gemeinsam mit der russischen Armee im Osten der Ukraine eingesetzt werden.

Weißrussland Minsk | Alexander Lukaschenko

Der belarussische Machthaber Lukaschenko bei einem Treffen mit Offizieren

Lukaschenko beschuldigte Polen, Litauen und die Ukraine, belarussische Radikale auszubilden, „um Sabotage und Terroranschläge zu verüben und eine militärische Meuterei im Lande zu organisieren“. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Russland vorgeworfen, „Belarus direkt in diesen Krieg hineinziehen“ zu wollen, und eine internationale Beobachtermission für die ukrainisch-belarussische Grenze gefordert.

Belarus ist finanziell und politisch auf Russland als seinen wichtigsten Verbündeten angewiesen. Vor Beginn des russischen Militäreinsatzes in der Ukraine hatte Lukaschenko russischen Truppen erlaubt, in Belarus aufzumarschieren. Belarussische Soldaten nahmen bislang jedoch nicht an der Offensive in der Ukraine teil.

Selenskyj erneuert Bitte um Luftabwehr-Systeme

Angesichts der gehäuften russischen Luftangriffe hat der ukrainische Präsident die Staatengemeinschaft um mehr und bessere Waffen zur Luftabwehr gebeten. „Den ganzen Tag sind dort Trümmer geräumt worden, wohin die russischen Terroristen trotz allem getroffen haben“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache am Montag. Allein in Kiew seien vier Menschen getötet worden, darunter ein junges Paar mit einer schwangeren Frau.

Still Ukraine Präsident Selenzkij Video Ansprache 08.10.2022

Die Anstrengungen der vergangenen Monate sind Präsident Selenskyj ins Gesicht geschrieben

Selenskyj betonte: „Wenn wir über Luftabwehr reden, dann reden wir über reale Menschenleben“, sagte er. „Das ist nicht nur im Interesse der Ukraine. Je geringer die terroristischen Möglichkeiten Russlands sind, desto schneller endet dieser Krieg.“

Der ukrainische Präsident rief zugleich die Soldaten seines Landes auf, mehr russische Gefangene zu nehmen. Diese könnten dann gegen ukrainische Gefangene auf russischer Seite ausgetauscht werden. „Je mehr russische Häftlinge wir haben, desto schneller können wir unsere Helden befreien“, sagte Selenskyj. „Jeder ukrainische Soldat und jeder Kommandeur an der Front sollte daran denken.“ . 

haz/fw (rtr, dpa, afp)