US-Astronaut fliegt mit zwei Russen zur ISS

In Zeiten schwerster Spannungen hoben an Bord einer Sojus-Raumkapsel die russischen Kosmonauten Sergej Prokopjew und Dmitri Petelin sowie der NASA-Astronaut Frank Rubio vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur ab. Er liegt in der Steppe Kasachstans in Zentralasien. Den Start der Sojus-Trägerrakete zur Internationalen Raumstation ISS zeigte die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos in einer Live-Übertragung. Gut drei Stunden später dockte das Raumschiff an dem Außenposten der Menschheit in 400 Kilometer Höhe an. Bei der NASA war von einem „guten Start in den Sonnenuntergang“ die Rede. Der Crew gehe es gut, sagte ein Sprecher nach der Ankunft an der ISS.

Die drei Raumfahrer hatten auch 120 Kilogramm Nachschubmaterial für die ISS im Gepäck, darunter Hygiene- und medizinische Artikel, wissenschaftliche Apparate sowie persönliche Gegenstände. 

Die Crew sprach vorab nicht über den Krieg in der Ukraine – wie es hieß -, sondern vor allem über Persönliches und den Alltag von Raumfahrern. Alle machten dabei deutlich, dass sie in dem halben Jahr auf der ISS vor allem ihre Familien vermissen würden.

Die Sojus-Trägerrakete mit der Raumkapsel beim Start

Die Sojus-Trägerrakete mit der Raumkapsel beim Start

Der russische Angriffskrieg belastet die ohnehin schwierigen Beziehungen zwischen Moskau und Washington zusätzlich. Russland beklagt, dass die von den USA und der EU erlassenen Sanktionen im Zuge des Kriegs die Arbeit in der Raumfahrt erschwerten, darunter die Produktion der auch militärisch nutzbaren Raketen. Zeitweilig stand die Zusammenarbeit auf der Kippe.

Russlands einzige Raumfahrerin startet im Oktober von den USA aus 

Im Oktober soll die russische Kosmonautin Anna Kikina an Bord einer Crew Dragon-Kapsel von Elon Musks Firma SpaceX von den USA aus zur ISS fliegen. Diese geplante Mission und der jetzige Flug nähren die Hoffnung, dass die Kooperation auf der ISS doch längerfristig fortgesetzt wird. Russland hatte zuletzt einen Ausstieg aus dem Projekt nach 2024 angekündigt, aber kein Datum genannt.

Zur 68. ISS-Mission sagte Kosmonaut Prokopjew vor dem Start: „Das Programm ist ziemlich voll. Geplant sind fünf Ausstiege ins Weltall.“ Zudem sind 48 Experimente vorgesehen, darunter die Arbeit mit einem 3D-Drucker in der Schwerelosigkeit. Womöglich könnte dies in Zukunft zu einer neuen Generation von 3D-Druckern führen.

Erwartet wurden die drei Raumfahrer auf der ISS von den Kosmonauten Oleg Artemjew, Denis Matwejew und Sergej Korssakow sowie den NASA-Astronauten Bob Hines, Kjell Lindgren, Jessica Watkins und der Italienerin Samantha Cristoforetti von der europäischen Raumfahrtbehörde ESA.

se/mak (dpa, ap, afp)