Vulkanausbruch in der Nähe von Reykjavik

Der Tafelvulkan Fagradalsfjall gehört zum Vulkansystem Krysuvik auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten Islands, rund 40 Kilometer von der Hauptstadt Reykjavik entfernt. Bereits seit Samstag war rund um den Vulkanberg eine intensive seismische Aktivität gemessen worden. Bis Montag registrierte die Wetterbehörde IMO dort mehr als 10.000 Erdbeben, davon zwei mit einer Stärke von über 5,0.

Satellitenbilder bestätigten außerdem eine Deformation der Erdkruste durch Einströmen von Magma in relativ geringer Tiefe unter der Erde. Es gelte die Alarmstufe „rot“, teilte die IMO mit.

Island Vulkanausbruch Fagradalsfjall

Vulkantourismus – Besucher bestaunen das Naturschauspiel

Auf Bildern ist zu sehen, wie in dem Tal Geldingadalur Lava aus einem länglichen Erdriss drückt. Ein führender Vulkanologe sprach im Rundfunksender RÚV von einer mehrere hundert Meter langen Erdspalte. Zwar stieg laut IMO bislang keine Aschewolke auf, dennoch seien Verschmutzungen aufgrund der Freisetzung von Gas möglich.

Island Vulkanausbruch Fagradalsfjall

Nicht nur Lava, auch Rauch steigt auf einer Länge von mehreren hundert Metern aus der Erdspalte

Das isländische Außenministerium schrieb auf Twitter, das Risiko für besiedelte Gegenden und kritische Infrastruktur werde als sehr niedrig betrachtet. Auch Flugstörungen habe es bisher nicht gegeben. Verboten ist nur der direkte Überflug über die unmittelbare Umgebung.

Island Vulkanausbruch Fagradalsfjall

Gewaltig strömt die Lava aus dem Fagradalsfjall

Ähnlich hatte sich auch ein Ausbruch des Fagradalsfjall im vergangenen Jahrangekündigt. Er dauerte vom 19. März bis zum 18. September 2021 und war damit der längste Vulkanausbruch auf der Insel seit 50 Jahren. Das Gesteinsfeld, das sich dadurch bildete, wird Fagradalsfjallhraun genannt.

Island Vulkanausbruch Fagradalsfjall

Sicherer Beobachtungsposten mit Blick zum Fagradalsfjall

Der Ausbruch des Fagradalsfjalls weckt Erinnerungen an die folgenschwere Eruption des isländischen Vulkangletschers Eyjafjallajökull vor zehn Jahren. Die dabei entstandene kilometerhohe Aschewolke hatte im April 2010 den internationalen Flugverkehr einen Monat lang in Europa lahmgelegt. Mehr als 100.000 Flüge mussten damals gestrichen werden, gut zehn Millionen Reisende saßen zum Teil tagelang auf Airports fest. Vergleichbare Auswirkungen werden angesichts des aktuellen Ausbruches jedoch nicht erwartet.

Island liegt zwischen der eurasischen und der nordamerikanischen tektonischen Platte. Da sich die Platten in entgegengesetzte Richtung bewegen, kommt es in dem Inselstaat häufig zu Erdbeben und Vulkanausbrüchen.

qu/bru (rtr, afp, dpa)