Zurück nach Mittelerde: „Herr der Ringe“-Prequel „Die Ringe der Macht“ startet

Fantasy-Fans haben einen aufregenden Herbst vor sich. Nach dem Start des „Game of Thrones“-Ablegers „House of the Dragon“ legt Amazon Prime jetzt mit „Die Ringe der Macht“ nach: 20 Jahre , nachdem Regisseur Peter Jackson das Wagnis einging, die „Herr der Ringe“-Bücher von J.R.R. Tolkien fürs Kino zu verfilmen – und damit Riesenerfolge feierte – kehren die Bewohnerinnen und Bewohner von Mittelerde nun zurück: die Zauberer, die Elben, die Zwerge, die Hobbits (bzw. deren Vorfahren) und die Orks, eine Horde mordender Monster.

Der US-Streamingdienst Amazon Prime hat für die erneute Reise nach Mittelerde eine Milliarde Dollar springen lassen – damit ist „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ die bisher teuerste Serie der TV- und Streaming-Geschichte.

Geplant sind fünf Staffeln aus Mittelerde

Die Serie, die fünf Staffeln umfassen soll, erzählt eine Geschichte, die lange vor den Geschehnissen aus der „Herr der Ringe“- und der „Hobbit“-Trilogie spielt. Sie beginnt im Zweiten Zeitalter von Mittelerde, rund 3000 Jahre bevor sich die Hobbits Frodo und Sam mit ihren Gefährten auf den Weg zum Schicksalsberg machen. Doch Tolkien-Kenner wissen: Manche Charaktere können uralt werden. Und so sehen wir einige Figuren – in Gestalt anderer Schauspielerinnen und Schauspieler natürlich – wieder, etwa die Elben Galadriel und Elrond oder den bösartigen Sauron.

Zwei Elben (spitzohrige Wesen in Menschengestalt), in lange Gewänder gehüllt, umarmen sich.

Die Elben Elrond (Robert Aramayo) und Galadriel (Morfydd Clark)

So heißt es denn auch bei Amazon Prime: „Bekannte und neue Charaktere müssen sich dem Wiedererstarken des Bösen in Mittelerde stellen. Von den dunkelsten Tiefen des Nebelgebirges bis zu den majestätischen Wäldern von Lindon, vom Inselkönigreich Númenor bis zu den entlegensten Winkeln der Landkarte werden diese Reiche und Charaktere ein Vermächtnis schaffen, das die Zukunft von Mittelerde prägen wird.“ Das klingt genau nach dem, was „Herr der Ringe“-Fans von einem Prequel wie diesem erwarten.

Die Zukunft von Mittelerde

Das Zweite Zeitalter von Mittelerde beginnt friedlich. Ein Superbösewicht namens Morgoth ist nach einem langen Krieg besiegt worden und im Reich ist Ruhe eingekehrt. Die Elben-Kriegerin Galadriel traut dem Frieden allerdings nicht – und liegt damit nicht falsch. Denn Morgoth hatte einen Handlanger, der mit einer Horde bösartiger Orks immer noch sein Unwesen treibt. Der Handlanger heißt – man kann es sich fast denken: Sauron. Galadriel macht sich auf den Weg, um ihren im Krieg ermordeten Bruder zu rächen und Sauron zu stellen. 

Eine blonde Frau mit einer Rüstung steht vor einem brenndenden Hintergrund.

Galadriel in ihrer Rüstung

Unterdessen schlägt an einem anderen Ort Mittelerdes ein Meteorit auf, mit einem merkwürdigen Fremden an Bord. Er begegnet zwei Mädchen vom kleinen Volk der Harfüße – den zotteligen, etwas wilderen Vorfahren der Hobbits. Die Auftritte der putzigen Harfüße sorgen beim Zuschauen unweigerlich für ein Grinsen. Der ewige Zoff zwischen Elben und Zwergen hat ebenfalls komödiantisches Potenzial.

Grinsen und gruseln

Doch auch das Gruseln kommt nicht zu kurz, denn es passieren jede Menge unheimliche Dinge: Hier tut sich die Erde auf, da wird ein Menschendorf überfallen, Menschen verschwinden, Kühe geben schwarze Milch, im Meer schwimmen Seeungeheuer – und die Orks formieren sich, um unter Saurons Kommando Schlimmes anzurichten.

Damit es nicht allzu schwer wird, sich zurechtzufinden, werden alle Charaktere episch eingeführt – und es sind wirklich sehr viele Protagonistinnen und Protagonisten. Das nimmt den ersten beiden Folgen zwar das Tempo, aber nicht die Faszination beim Hingucken.

Auf einer Felsnase, an der Wasserfälle herunterfallen, versammeln sich in weiße Gewänder gekleidete Figuren unter Birken mit gelben Blättern.

Ob Computer Generated Imagery (CGI) oder echte Kulissen – die Settings sind auch in der Serie beeindruckend

Etwa die Hälfte des Eine-Milliarde-Dollar-Budgets soll Amazon allein in die erste Staffel gesteckt haben – dementsprechend opulent kommt die Serie auch daher: An der Ausstattung hat man nicht gespart, die Kostüme sind bis ins kleinste Detail durchgestylt und die Kulissen – computergeneriert oder echte neuseeländische Landschaften – sind atemberaubend. Okay, manch einem mögen die CGI-Settings vielleicht zu atemberaubend, sprich künstlich erscheinen.

Die Serie wartet mit interessanten neuen Schauspielerinnen und Schauspielern auf – allen voran Galadriel-Darstellerin Morfydd Clark, die in große Fußstapfen tritt: In den Filmen wird die Elbin von Gwyneth Paltrow gespielt. Auch Elrond-Darsteller Robert Aramayo muss sich nicht hinter seinem Vorgänger Hugo Weaving verstecken.

Mittelerde wird divers

Was neu ist: Der Cast kommt – im Gegensatz zu den Kinofilmen – divers daher. In Peter Jacksons Mittelerde waren alle wichtigen Rollen mit Weißen besetzt worden, in der neuen Serie wird die Fantasy-Welt dagegen von Menschen aller Hautfarben bevölkert. In vielen Fan-Foren hat das mitunter zu unerfreulichen Kommentaren geführt, in denen der Sinn für Diversität und Gleichstellung als „wokeness“ beschimpft wird.

Unter dem deutschen Trailer auf YouTube richtet sich die Empörung der Fans mehr auf das Ganze: Viele sehen das Erbe J.R.R. Tolkiens und Peter Jacksons nur um des Kommerzes willen mit Füßen getreten. In einem Kommentar heißt es: „Es steht Herr der Ringe drauf, es könnte aber auch eine x-beliebige Fantasy-Serie sein, in der man den Charakteren die Namen aus HdR gegeben hat. Ich glaube Amazon hat diese Serie nicht für die Fans (…) gedreht, sondern für die breite Masse.“

Dagegen sind zahlreiche Kritikerinnen und Kritiker, die bereits die ersten Folgen gesehen haben, begeistert. So schreibt etwa der Guardian: „Das hier ist enorm unterhaltsames Fernsehen, ein filmisches Festmahl.“ Ob es wirklich so ist, davon können sich „Herr der Ringe“-Fans, Fantasy-Begeisterte und Mittelerde-Neulinge ab dem 2. September bei Amazon Prime überzeugen. Los geht es mit einer Doppelfolge, die weiteren Episoden kommen dann wöchentlich.