Klimakonferenz COP27: Eine Konferenz in Afrika für Afrika?

Die COP27-Klimakonferenz im ägyptischen Urlaubsort Scharm el Scheich wird als „Afrikanische COP“ bezeichnet – und das nicht nur wegen des Ortes, an dem sie stattfindet. Es ist nicht das erste, sondern bereits das fünfte Mal, dass führende Politiker der Welt auf dem afrikanischen Kontinent eine UN-Klimakonferenz abhalten. Aber diesmal liegt der Fokus klar auf der Suche nach Lösungen für Länder des globalen Südens – insbesondere in Afrika. Neben der Suche nach Wegen, dem Kontinent zu helfen, die Klimaziele zu erreichen, wird die Konferenz auch Delegierte hören, die mehr Hilfe für Gesellschaften einfordern, die bereits heute stark unter den Auswirkungen der Klimakrise leiden.

Eine Frage der Finanzierung

Viele afrikanische Länder stehen vor großen Herausforderungen und drängenden Problemen: Korruption, Hungersnöte, Bürgerkriege oder kollabierende Infrastrukturen – es gibt wahrlich keinen Mangel an Krisen, die imstande wären, die Herausforderungen des Klimawandels kurzfristig in den Hintergrund drängen.

Afrika leidet heute schon mehr als andere Kontinente unter den Auswirkungen der globalen Erwärmung. Genannt seien beispielsweise die immer wiederkehrenden, anhaltenden Dürren am Horn von Afrika und in anderen Regionen des afrikanischen Kontinents. Afrika erhält nur 5,5 Prozent der globalen Klimahilfen. Gleichzeitig ist der Kontinent für weniger als 3 Prozent aller globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Weltklimakonferenz – schwierige Suche nach Kompromissen

Der Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank, Akinwumi Adesina, sagte der DW, dass die Regierungen in Afrika in diesem Jahrzehnt viel mehr Geld brauchen, um den Herausforderungen zu begegnen.

Bis zu 1,6 Billionen US-Dollar benötige der Kontinent, um die Verpflichtungen im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens umzusetzen, so Adesina.

Bereits während der COP-Klimaverhandlungen 2021 in Glasgow forderten Delegierte aus Entwicklungsländern daher von den Ländern, die für den Großteil der Treibhausgase verantwortlich sind, vermehrt für klimabedingte Schäden aufzukommen. Zusätzlich zu den Geldern, die bereits für die Reduzierung der Emissionen zugesagt wurden. Bisher haben die größten globalen Wirtschaftsmächte nur sehr zögerlich auf diese Forderungen reagiert.

Einige Schäden bereits unumkehrbar

Unabhängig davon, welche Mittel afrikanischen Nationen in Zukunft zur Verfügung gestellt werden, sind einige Schäden der globalen Erwärmung bereits irreversibel, sagte Kenneth Kemucie Mwangi, Klimaanalyst am ostafrikanischen Klimainstitut ICPAC.

Klimaanalyst Kenneth Kemucie Mwangi zeigt mit einem Stift auf eine Karte auf einem Computerbildschirm

Klimaanalyst Mwangi sagt, dass manche Auswirkungen des Klimawandels bereits jetzt unumkehrbar sind

„Die Temperaturen sind in den letzten Jahren weltweit um durchschnittlich 1,2 Grad gestiegen, wenn man die aktuelle Periode mit der Zeit vor der Industrialisierung vergleicht, und diese Veränderung ist derzeit nicht rückgängig zu machen“, sagte Mwangi.

Er betonte auch, dass sich insbesondere die Temperaturen im Westlichen Indischen Ozean deutlich erwärmt haben, was zu extremen Wetterereignissen in weiten Teilen Afrikas geführt habe, einschließlich der anhaltenden Dürresituation. Diese Veränderungen werden wahrscheinlich bestehen bleiben, so der Klimaexperte.

„Früher dachten wir, dass wir die Auswirkungen des Klimawandels erst in Zukunft spüren würden“, so Mwangi weiter. „Jetzt sprechen wir nicht mehr über die Zukunft. Wir stecken jetzt mittendrin in der Klimakrise, sehr tief drin.“

Humanitäre Hilfe benötigt

Neben der international vereinbarten Finanzierung zur Abmilderung der Auswirkungen der globalen Erwärmung werden viele Länder in Afrika auch wieder zunehmend auf Entwicklungshilfeleistungen angewiesen sein, da klimabedingte Katastrophen immer häufiger auftreten werden.

Ein kleiner Junge trinkt aus einer Wasserflasche

Länder am Horn von Afrika, wie Somalia, Kenia oder Äthiopien, leiden heute schon an den Auswirkungen der Klimakrise

Gemma Connell, Leiterin des Regionalbüros für Süd- und Ostafrika des Amts der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), sagte der DW, dass bereits heute mehr als 36 Millionen Menschen von der Dürre betroffen seien.

„Mehr als 21 Millionen Menschen sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Konkret heißt das, dass sie nicht wissen, woher ihre nächste Mahlzeit kommen wird“, sagte Connell und fügte hinzu, dass allein in Somalia 300.000 Menschen aktuell Gefahr laufen, an Unterernährung zu sterben.

Connell unterstrich, das Problem der Ungerechtigkeit müsse bei der COP27 vor alle anderen gestellt werden. „Wenn wir uns zum Beispiel die Dürre am Horn von Afrika ansehen, trägt jedes der betroffenen Länder -Kenia, Äthiopien, Somalia und andere – weniger als 0,1 Prozent zu den globalen Treibhausgasemissionen bei. Weniger als 0,1 Prozent! Und doch sterben die Menschen in diesen Ländern an den Folgen der globalen Klimakrise.“

Sofortiges Handeln nötig

Connell sagte, die Gespräche in Scharm el Scheich stellten eine Gelegenheit für afrikanische Regierende dar, sich zu einem Thema zu äußern, das die Menschen auf dem Kontinent wirklich betrifft. Es bedürfe jetzt insbesondere der Stimmen junger Afrikaner, um echte Veränderungen herbeizuführen.

„Junge Menschen aus Afrika sollten globale Rechenschaft und Gerechtigkeit einfordern. Ich hoffe, dass dies zu echten Veränderungen führt“, sagte Connell.

Mwangi vom ostafrikanischen Klimainstitut ICPAC sagte, Veränderungen seien möglich – aber nur, wenn reichere Nationen sich verpflichteten, viel mehr zur Bekämpfung der Klimakrise im globalen Süden zu tun. Es dürften dabei keine Kosten gescheut werden.

Kadaver einer Kuh, im Hintergrund Turkana-Frauen mit Feuerholz

Die Dürre in Kenia und anderen Ländern des Horns von Afrika ist eine Konsequenz der globalen Erderwärmung

„Wir haben immer noch die Chance, die Situation wahrscheinlich retten zu können“, sagte Mwangi. „Wir können [Emissionen] in den nächsten Jahren immer noch reduzieren – das ist die Verpflichtung, zu der sich insbesondere die Industriestaaten bekennen sollten“, fügte er hinzu. „Möglicherweise können wir viele Schäden nicht mehr rückgängig machen, wenn wir die 1,5 Grad überschritten haben.“

Auch Connell, vom UN-Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) sagte, dass die sofortige Bereitstellung von Mitteln zur Unterstützung von Regionen, die bereits vom Klimawandel betroffen sind, Vorrang haben müsse. „Hilfe in Form von Geld spielt dabei eine große Rolle, insbesondere weil Geld es den Menschen ermöglicht, auf würdige Weise Entscheidungen darüber zu treffen, was sie brauchen, um diese Krise zu überleben“, sagte sie.

Die stellvertretende UN-Generalsekretärin Amina Jane Mohammed sagte Anfang dieses Jahres gegenüber der DW, dass die COP27-Gespräche als „eine Implementierungs-COP“ dienen sollten, da bisher nur wenig des für die Klimafinanzierung verfügbaren Geldes den Weg nach Afrika gefunden habe.

„Die Klimakrise passiert gerade in Afrika“, sagte sie. „Wenn wir es jetzt nicht schaffen, ein wirkliches Engagement für den Kontinent zu zeigen, dann müssen wir uns eingestehen, dass wir unsere Versprechen wirklich gebrochen haben.“

UN-Vize-Generalsekretärin Amina Mohammed in Addis Abeba

UN-Vize-Generalsekretärin Amina Mohammed fordert, dass Industrieländer ihre Verpflichtungen einhalten

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen adaptiert von Antonio Cascais.