Männer! Auf zur Prostatakrebs-Vorsorge!

Nach Angaben der Prostata-Hilfe Deutschland erkranken mehr als 62.000 Männer jedes Jahr neu an Prostatakrebs. Es ist die häufigste Krebsart bei Männern. Dennoch scheuen sich viele davor, zu einer Vorsorgeuntersuchung zu gehen und lassen sich erst einmal davon abschrecken, wie die Untersuchung abläuft.

Alles gar nicht so schlimm 

„Die Vorsorge dient dazu, einen Tumor früh genug zu entdecken, sodass man schonend und erfolgreich behandeln kann“, sagt Markus Graefen von der Martini-Klinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. „Diese Chance kann man ohne Vorsorge verpassen, denn ein Prostatakarzinom bereitet in den frühen Stadien typischerweise und tückischerweise keine Beschwerden. Die kommen erst, wenn das Karzinom weiter fortgeschritten und häufig auch schon metastasiert ist.“

Viele Männer hätten Angst, dass die Vorsorgeuntersuchung schmerzhaft sein könnte oder zumindest unangenehm. Aber das sei vollkommen unbegründet, so Graefen. 

Vorsorgeuntersuchungen können einem Mann Vieles ersparen

Empfohlen wird die Vorsorgeuntersuchung ab einem Alter von 45. Bei familiärer Vorbelastung ist es ratsam, bereits ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig zur Vorsorge zu gehen. Eine Tastuntersuchung, die auch als digitale rektale Untersuchung (DRU) bezeichnet wird, ist Standard. Dabei ertastet die Ärztin oder der Arzt die Prostata über den Enddarm, also über den After. Das dauert etwa zehn Sekunden. Der Patient verspürt dabei lediglich einen leichten Druck. „Neben dem Abtasten der Prostata wird eine Blutentnahme gemacht, um den PSA-Wert zu bestimmen. Das ist alles. Das ist die Vorsorge, und bei etwa 90 Prozent der Männer ist beides unauffällig“, erklärt Graefen den Vorgang. 

Probleme mit der Prostata

Der PSA-Wert ist ein wichtiger Teil der Untersuchung

PSA ist die Abkürzung für „prostataspezifisches Antigen“. Dieses Eiweiß wird nur von den Zellen der Prostata hergestellt und ist ein wichtiger Bestandteil der Prostataflüssigkeit, die dafür sorgt, dass die Spermien beweglich sind. Bösartige Zellen produzieren mehr PSA. Dadurch kann der PSA-Wert ansteigen und als früher Hinweis für die Entstehung eines Prostatakarzinoms in der Vorsorge genutzt werden. Ein erhöhter PSA-Wert kann ein Hinweis auf Krebs sein, muss es aber nicht sein.

Liegt tatsächlich Prostatakrebs vor, bilden die aggressiven Krebszellen etwa zehnmal mehr PSA als gesunde Prostatazellen. Bei gesunden Männern liegt der PSA-Wert bei unter vier Nanogramm pro Milliliter.

Die Prostata ist wichtig für die Fortpflanzung

Die Prostata gehört zusammen mit den Hoden zu den Fortpflanzungsorganen des Mannes. Sie produziert einen Teil der Samenflüssigkeit. Diese transportiert die Spermien und sorgt durch Zusammenziehen der Muskulatur für den Samenerguss.

Vom Aussehen her ähnelt die Prostata einer Kastanie. Die Drüse liegt unterhalb der Harnblase und hinter dem Enddarm. Während für die meisten Frauen der regelmäßige Gang zur Vorsorge selbstverständlich ist, wollen die meisten Männer nichts davon wissen, nach dem Motto: „Ich spüre nichts, also ist da auch nichts.“ 

Infografik: Prostata

Die Kombination mit einem MRT ist optimal

Ist der PSA-Wert hoch und besteht der Verdacht auf ein Prostatakarzinom, kann nur eine Gewebebiopsie einen Nachweis erbringen. Zusätzlich empfiehlt Graefen ein MRT, um die Lage eines möglichen Krebsherdes vor einer solchen Biopsie einzugrenzen. „Wirklich gute Studien haben gezeigt, dass man mit einem MRT ein Prostatakarzinom präziser entdecken kann. Das Dilemma dabei ist die Kostenübernahme dieser Bildgebung.“

Am besten wäre es, den PSA-Wert zu ermitteln und dann eine systematische Biopsie der Prostata mit einer gezielten Biopsie der suspekten Herde im MRT durchzuführen“, beschreibt Graefen eine mögliche Vorgehensweise. „Da piekst man dann insgesamt zwölfmal in die Prostata und nimmt zusätzlich aus den im MRT auffälligen Gebieten eine Biopsie. Dieser ambulante Eingriff dauert etwa 15 Minuten.“ 

Die Angst vor einer Entfernung der Prostata ist meist unbegründet 

Ist eine Operation notwendig, entfernen die Chirurgin oder der Chirurg die komplette Prostata und die Samenbläschen und einen Teil der Harnröhre sowie einen Muskel. Eine Folge einer Prostatektomie, also der Entfernung der Prostata, kann sein, dass der Patient den Harn nicht mehr gut halten kann und inkontinent wird. Harn tritt aus, ohne dass der Betroffene dies kontrollieren kann. Das ist heutzutage allerdings nur noch selten eine Folge der Operation.

„Wenn ich die Patienten frage: Wovor haben Sie am meisten Angst? Dann sagen etwa 90 Prozent: vor Inkontinenz. Man muss aber wissen, dass mit den heutigen, modernen Operationsmethoden vielleicht zwei bis drei Prozent der Männer danach dauerhaft inkontinent sind“, so Urologe Graefen.

Männer, die unter einer milden Inkontinenz leiden, kommen mit den bestehenden Hilfsmitteln wie etwa Einlagen gut klar. Bei einer stärkeren Inkontinenz kann durch operative Maßnahmen, wie einem künstlichen Schließmuskel, Abhilfe geschaffen werden.

Einige Männer aber entwickeln psychische Probleme nach einer Prostataoperation und ziehen sich zurück. Die Prostata ist zwar kein lebenswichtiges Organ, aber die damit verbundenen psychischen Probleme sind nicht zu unterschätzen.

Außer beim behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin gibt es auch andernorts kompetente Beratung und Unterstützung, wie bei der Prostata-Hilfe Deutschland.

Die Angst vor Impotenz 

Eine weitere mögliche Nebenwirkung nach einer Prostata-Operation ist die erektile Dysfunktion, eher bekannt als Impotenz. Denn dafür sind Nerven verantwortlich, die um die Prostata herum angeordnet sind. Es muss nicht, kann aber durchaus passieren, dass diese Nerven bei einer Operation verletzt werden. Rund 30 Prozent der Männer können danach keine Erektion mehr bekommen oder eine Erektion halten.

Zwei Tabletten Viagra liegen auf der Medikamentenverpackung

Bei Impotenz kann die Einnahme von Viagra oft helfen

Das kratzt am Selbstbewusstsein und am Selbstwertgefühl. Außerdem ist der Mann dann zeugungsunfähig. Einzige Möglichkeit, auch nach einer solchen Operation und den eventuellen Folgen, Kinder zeugen zu können, ist die frühzeitige Einlagerung von Spermien. 

Der Patient muss sich darauf einstellen, dass sich sein bisheriges Sexualleben verändern kann. Gibt es Probleme beim penetrierenden Geschlechtsverkehr, kann hier mithilfe von Viagra und Co. häufig eine Verbesserung erreicht werden. Die sensiblen Nerven an der Eichel und am Penis werden nach einer Operation immer noch etwa durch Berührungen angesprochen. Auch ein Orgasmus ist möglich, aber ohne Ejakulat. Bei jüngeren Patienten und früh entdeckten Tumoren gelingt es heutzutage oft, die Erektionsfähigkeit zu erhalten. 

„Haben Sie keine Angst vor der Vorsorge“, appelliert Graefen. Vorsorge kann sehr beruhigend sein, wenn die Untersuchung keinen Verdacht auf einen Prostatakrebs zeigt, und das ist meistens der Fall. Wenn sich jedoch tatsächlich ein Karzinom entwickelt hat, kann die Vorsorge Leben retten.“